SRH Bigband
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11.7.2021 Wolfsbrunnen Heidelberg Foto:privat

Rainer Maertens

"Das Soziale fehlt gerade völlig"

Endlose Zwangspause: Bigband-Leiter Rainer Maertens berichtet, dass ein Hobbymusiker trotz Impfung seinem Hobby nicht nachgehen kann.

RNZ 23.04.2021

Die SRH-Bigband ist eine Art Kurpfälzer Botschafter der großorchestralen Jazzklänge: Hier ihr Leiter Rainer Maertens bei einem Auftritt der Formation auf dem Ein-Tages-Festival „Schriesheim jaZt“ Mitte Juli 2014. Damals kamen 800 Besucher – heute völlig undenkbar. Foto: Kreutzer

 

Von Micha Hörnle

Rhein-Neckar. Rainer Maertens gehört nicht zu denjenigen, die finanziell unter der Pandemie leiden: Der gebürtige Heidelberger, der in Neckargemünd lebt, war 31 Jahre lang Sonderschullehrer und Diplompädagoge der dortigen Stephen-Hawking-Schule des Gesundheits- und Bildungskonzerns SRH und ist längst im Ruhestand. Und doch leidet der Leiter der von ihm vor knapp 20 Jahren gegründeten SRH-Bigband unter dem Dauerlockdown, wie so viele seiner Kollegen. Denn sowohl das Proben wie auch die Auftritte sind im Moment nicht möglich – und es gibt auch keine Perspektive. Das zehrt schon an den Nerven.

Herr Maertens, wann hatten Sie Ihren letzten Auftritt mit Ihrer Bigband?

Das war am 13. September, im Schlosshof von Neckarhausen, ein Open-Air. Alles danach fiel Corona zum Opfer.

Hatten Sie denn während der Pandemie Auftritte?

Im letzten Jahr waren es zwei Konzerte, zwölf mussten wir absagen. Und auch drei schon wieder in diesem Jahr – darunter eine Kurztournee nach Spanien im Mai und im Juni in der Heidelberger Partnerstadt Montpellier. Aber das war auch schon 2020 abgesagt worden.

Das hört sich zwar bitter an, aber nicht existenzbedrohlich.

Nein, aber solche Konzerte sowie die Proben, ganz allgemein die Musik machen für mich Lebensqualität aus.

Dürfen Sie im Moment mit den ganzen Blechbläsern proben?

Nein, nach der Corona-Verordnung sind aktuell alle Proben verboten.

Und wann haben Sie das letzte Mal als Band zusammen geprobt?

Im Oktober 2020.

Aber Sie können ja für sich proben …

Das mache ich auch täglich. Aber wir machen ja in einer großorchestralen Form Musik. Und das fehlt völlig. Mit einem Bigband-Kollegen treffe ich mich wöchentlich in dessen Keller, dort jazzen wir zusammen. Ganz coronakonform.

Was fehlt Ihnen denn am meisten?

Musik ist ein Gemeinschaftserlebnis, deswegen fehlt das Soziale völlig. Also auch der Austausch unter Musikern, neue Ideen, aber auch mal, dass jemand ein neues Arrangement mitbringt. Dann natürlich die Workshops, die wir bisher regelmäßig mit Gastmusikern organisierten.

Sind Sie sich denn sicher, dass es nach dem Lockdown die SRH-Bigband weiter geben wird?

Auf jeden Fall! Jedes Hobby braucht allerdings eine gewisse Motivation und ein Ziel – in unserem Fall auch, den Menschen eine Freude zu machen. Außerdem machen wir quasi eine "Nischenmusik". Vielleicht ist man da intensiver bei der Sache als andere.

Bei einer Bigband mit den vielen Bläsern gibt es ja jede Menge der gefürchteten Aerosole. Glauben Sie, dass Sie die Letzten sein werden, die wieder Musik machen dürfen?

Das weiß ich nicht, hoffentlich nicht, aber das könnte schon so sein. Ich habe oft das Gefühl, dass wir nicht so richtig im Blickwinkel der Politik sind. Und ich bin mir auch nicht so sicher, ob die Aerosole bei allen Blasinstrumenten auch gleich stark sind. Viele meinen ja, die wären jetzt eine Art Infektionswerkzeug. Es gibt ja auch Schutzmöglichkeiten. Kein Blasmusiker kann mit seinem Instrument nicht einmal eine Kerze ausblasen. Nun ich hoffe, dass mit immer mehr Geimpften und Tests es mal wieder losgehen könnte.

Sind Sie denn selbst schon geimpft?

Ja, sogar das zweite Mal.

Und Ihre Bandkollegen?

Teilweise haben sie schon die erste Impfung, so langsam geht es los. Aber niemand kann uns sagen, ob die Impfung dazu berechtigt, wieder Musik zu machen.

Ist das Ihre Forderung an die Politik?

Das ist schon eine schwere Frage, es muss verhindert werden, dass die Gesellschaft in zwei Klassen, Geimpfte und Nicht-Geimpfte, eingeteilt wird. Aber ich finde schon, dass es nach einer Impfung möglich sein sollte, sein Hobby auszuüben. Alles andere wäre schon eine weitere starke Einschränkung der Persönlichkeitsrechte. Außerdem: Auch unsere Bundeskanzlerin betont doch immer wieder, dass das Impfen und das Testen der Schlüssel zur Beendigung der Pandemie sowie zur Normalisierung des Lebens ist.

Wird sich die Musikszene nach Ende der Pandemie sehr verändern?

Wahrscheinlich schon. Aber es bleiben ja viele offene Fragen: Wer definiert das Ende der Pandemie? Gehen die Leute dann wieder in Konzerte? Welche Auftrittsmöglichkeiten gibt es dann – und unter welchen Bedingungen? Wenn zum Beispiel die aktuellen Abstandsregelungen noch in Kraft wären, bräuchten wir eine riesige Bühne. Und geschlossene Räume sind ja im Moment tabu. Große Probleme haben gerade viele hauptberufliche Musiker, die "Freelancer": Wo und wie können die weiterleben?

Was glauben Sie: Wann und wie geht es für die SRH-Bigband weiter?

Erst mal müssen wir wieder proben können. Ich taste mich monatsweise vor. Im Moment rechne ich mit Mitte Mai. Wenn ich aber höre, erst ab Oktober wieder, dann wäre das schon schlimm, weil wir dann unter anderem schon fest geplante Sommerkonzerte absagen müssten. Übrigens: Wir haben ein neues Stück, den "No More Fucking Corona-Blues".

We are ready to play!

RNZ 22.9.2020

Mannheimer Morgen 16.9.2020

Auch ein Opfer von Corona: die beliebten Sommerkonzerte von „Schriesheim jazzt“ in der Altstadt – hier die SRH-Bigband aus Heidelberg. In diesem Jahr wäre es die 15. Auflage des Festes gewesen. Foto: Kreutzer

RNZ 27.5.2020

 

Für viele Kulturschaffende, Theaterleute, Musiker etc. ist die vergangene und auch noch aktuelle Zeit ganz kompliziert und auch trostlos.

 

Aufgrund der Corona-Situation sind z. B. der SRH-Bigband acht Konzerte bei Jazzfestivals, Stadtfesten, Sommerfesten und anderen kulturellen Ereignissen bis einschließlich Juli abgesagt worden.

 

Jetzt hoffen wir natürlich mit so vielen anderen in der Kultur aktiven Menschen, dass  so langsam  eine gewisse Normalität wieder eintritt.

 

Die SRH-Bigband ist dazu bereit!  Ein aktuell neues Programm aus Swing, Funk, Soul und Latin - passend für alle musikalischen "Angelegenheiten" ist in Bearbeitung.

 

 Nachfragen /Interesse unter: 

 

srhbigband@gmx.de

 

Beste Grüße und beste Wünsche für eine Coronafreie Zeit!

 

 

Die Musiker*innen der SRH-Bigband aus Heidelberg"

 

 

 

 

SRH Bigband Montpellier 21.6.2019  Foto: privat

SRH Bigband Mannheim Klapsmühl' 19.03.2019

Foto: Mathias Wehner

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